HIV-Antikörper-Test- Der innere Kampf bei der Frage: Testen lassen oder nicht ?
Unter der neue Rubrik”Standpunkt” bei den schwulemaenner.de habe ich folgenden Beitrag für wirklich zum Nachdenken gefunden :
Lebe ich besser, wenn ich meinen Immunstatus nicht kenne oder ist es sinnvoller Gewissheit darüber zu haben, was in meinem Körper vor sich geht ?
Neutral und logisch betrachtet würde ich sagen: Natürlich testen lassen, dann hat man Gewissheit und bei heutzutage verbesserten medizinischen Therapiemöglichkeiten sind die Chancen den Ausbruch von AIDS zu verzögern oder gar zu verhindern größer als je zuvor.Persönlich und emotional betrachtet aber heißt es auch abzuwägen: Kann ich mit einem möglicherweise positiven Testergebnis umgehen? Macht mich die Gewissheit einer HIV-Infektion psychisch fertiger als die Ungewissheit oder sorgt die Ungewissheit bei jedem Zipperlein, jeder körperlichen Veränderung dazu, dass ich mir fest einrede HIV-positiv zu sein und mir fast den Verstand raubt?
Ich selbst stand vor kurzem vor dieser Entscheidung. Und es hat ein halbes Jahr und viel Unterstützung meines Freundes gebraucht, um eine Entscheidung zu treffen.Mit meinem Freund lebe ich seit 11 ½ Jahren fest zusammen, er selbst ist HIV-positiv und ich wusste von Anfang an davon.
Damit war für unsere Beziehung klar: Beim Sex unbedingt Safer Sex praktizieren. Im Prinzip galt also für uns das, was für jeden One-night-stand, so man die Gefahr einer Infektion umgehen will, auch gelten sollte. Trotz Safer Sex machte ich mir natürlich von Zeit zu Zeit Gedanken über meinen eigenen Immunstatus.
Reichen die aufgestellten und propagierten Regeln aus?
Wer hat diese Regeln außerhalb eines Labors zu 100% unter Kontrolle ? Kann beim Blasen wirklich nichts passieren ? Hinzu kam, dass im Laufe der Jahre einige Freunde an den Folgen von AIDS gestorben waren, zum Teil noch mit den damals üblichen Monotherapien behandelt, zum Teil aber auch unwissend der eigenen Infektion tatenlos geblieben.Außerdem gab es natürlich auch in 11 ½ Jahren bei leidenschaftlichem Sex ungewollte Risikosituationen, wie z.B. geplatzte Kondome, kleinere Risse an Schleimhäuten usw.So fragte ich mich immer mal wieder, warum ausgerechnet ich von dem Virus verschont geblieben sein sollte. Insbesondere bei Müdigkeitszuständen, Belägen auf der Zunge und Hautausschlägen fingen bei mir die Alarmglocken an zu läuten und meine Gedanken kreisten schon nach dem Aufstehen und bei der Fahrt zur und von der Arbeit um die Angst positiv zu sein: Die Angst, für den Freund der positiv ist nicht mehr voll da zu sein, die Angst, sein eigenes Leben befristeter zu sehen, beruflich und wirtschaftlich in ausweglose Situationen zu geraten, die Angst, der Partner müsste damit leben, den eigenen Freund angesteckt zu haben. Ängste, die sich so gesteigert haben, das der psychische Druck zeitweise immer stärker wurde.
Mein Freund, mittlerweile als Langzeitüberlebender einzustufen, seine Kraft und Ausstrahlung, seine Lebenseinstellung trotz der Infektion, trotz des täglichen Tablettenkonsums und sein starker Wille, seine gefühlsbetonte Art halfen mir eine Entscheidung zu treffen. Ich wollte mich testen lassen, um Gewissheit zu haben, um im Falle eines positiven Ergebnisses medizinisch betreut werden zu können, um nicht eines Tages, wie bei einem Freund geschehen, erst dann Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn jede Hilfe zu spät kommt.
Mein Testergebnis war übrigens negativ.
Nachzulesen bei den www.schwulemaenner.de
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